18. Januar 2011

Das hässliche Erbe des schönen Interregio

Category: PB4 - Verkehrspolitik — Michael Bayer @ 12:52

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Es ist schon seltsam. Ich erinnere mich gut an jene Zeit, als die Bahn den Interregio auf die Schiene schickte. Hessen war wundervoll verbunden – von Bensheim ganz im Süden über Frankfurt, Gießen und Marburg in der Mitte bis Kassel oben im Norden. Als Student kannte ich bis dahin nur die Silberlinge, mal in grün, mal in rot umlackiert, und natürlich das Erbe von der DDR-Reichsbahn.

Welch Luxus waren dagegen die Interregio-Wagen! Innen angenehm beige-hellgrün gehalten, im Großraumabteil mit Tisch und dort sogar die jahrzehntelang bewährte, starre Sitzordnung gebrochen, die Abteile mit Vorhängen gegen umgewollte Blicke in bestimmten Situationen. Jedes Mal, wenn ich in diesem Zug saß, freute ich mich an der tollen Ausstattung; fast war ich ein bisschen stolz, in so schönen Wagen zu reisen.

Und heute?

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Wenn nun ein Interregio-Überbleibsel anrollt, ärgere ich mich. Nicht nur, weil die Wagen ziemlich zerkratzt daherkommen. Es ist auch die immer noch nicht abgeglungene Wut auf die Bahn, die den Interregio aus dem Fahrplan gestrichen, die Wagen diesmal auf Weiß umlackiert und die Tickets um den Intercity-Zuschlag teurer gemacht hat. Wenn ich schon IC bezahle, dann will ich auch den entsprechenden Zug. Wenn es Sebastian also begrüßt, dass die ehemals Blauen verschwinden (Kommentar 8), muss ich ihm zustimmen. Wenn auch – aus alter Verbundenheit – mit ein wenig heimlicher Wehmut und schlechtem Gewissen.

Denn möglicherweise werde ich im nächsten Sommer anders denken. Wenn dann wieder reihenweise in den angeblich besseren Zügen die Klimaanlagen ausfallen, gibt es dieses Problem bei den Interregio-Wagen garantiert nicht: Dort kann keine automatische Kühlung ausfallen – weil’s gar keine gibt. Aber dafür etwas anderes: Fenster, die sich öffnen lassen. Im Gegensatz zu dem rollenden weißen IC- und ICE-Material. Deshalb hatte die Bahn ja im Sommer 2010 alle Interregio-Reste zu Ersatzzügen zusammengekratzt – samt Klimaanlage für Handarbeit. Immerhin dürfte mir, bis die Bahn ihre supermodernen ICx-Züge bekommt, das IC-Bistro erhalten bleiben als Erinnerung an schöne, alte Interregio-Zeiten.

13. Januar 2011

Ach, die schönen alten IC-Wagen

Category: PB4 - Verkehrspolitik — Michael Bayer @ 13:50

Sie sind 40 Jahre alt, heißt es. Das hat Folgen, sicher. Türen gerne mal kaputt. Der Strom an den wenigen Steckdosen fällt dann und wann aus. Und manchmal regnet es sogar rein. Jetzt sollen sie also weg, die schönen, weißen IC-Wagen. Einen Teil davon ersetzt die Bahn Ende des übernächsten Jahres mit neuen Doppelstöckern. Sie ähneln jenen, die wir aus dem Regionalverkehr kennen. Ach, das ist ja fast schon zum Heulen. Selbst wenn die Pannen nerven.
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Denn in keinem anderen Zug lässt es sich so bequem reisen wie in den Großraum-Abteilen der Intercity. Die neuen Wagen sollen eine Beinfreiheit wie im ICE bieten – das ist eher Drohung als Versprechen. Meine Beine ausstrecken kann ich jedenfalls nicht im Hightech-Express, der weder Sonne noch Frost verträgt.

Blicken wir dagegen doch mal in einen IC:
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So viel zum Thema Beinfreiheit.

Die Doppelstockzüge bestehen nach Angaben der Bahn aus einem Steuerwagen mit 2. Klasse, drei Mittelwagen 2. Klasse und einem Mittelwagen 1. Klasse. Pro Zug sind 469 Sitzplätz vorgesehen, davon 70 in der 1. Klasse. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass ein bestimmter, bisher recht beliebter Wagen fehlt: das Bordbistro – das ja früher mal ein richtiger Speisewagen mit Tischdecken und Lampen war. Die Bahn verschweigt die Abschaffung der Speisewagen nicht, versucht aber auch hier, die schlechte Nachricht als gute zu verkaufen: “Das gastronomische Angebot ist durch ein mobiles Service-Konzept gewährleistet: Die Bedienung der Gäste findet im ganzen Zug direkt am Platz statt – in der 1. wie in der 2. Klasse.”

Langsamer als die alten, weißen Wagen ist das neue Modell übrigens auch noch: Erlaubt sind nur 160 Kilometer pro Stunde statt wie bisher 200. Macht aber nichts, sagt der Schienenkonzern. Der Neue sei wunderbar leicht, beschleunige schnell – und schaffe daher dennoch den Fahrplan. Wir werden sehen.
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Die Bahn hat beim Hersteller Bombardier Transportation 135 Doppelstock­wagen sowie 27 Lokomotiven der Baureihe 146.2 im Wert von rund 360 Millionen Euro bestellt. Eingesetzt werden sollen sie auf IC-Linien mit schwächerer Nachfrage, sagt das Unternehmen. Der tolle, neue Zug soll dort Reisende zum Umsteigen bewegen – in Richtung Bahn wohlgemerkt.

Bilder: Bayer (3); Bahn

2. November 2009

Ökoticket – nur ein Anfang

Category: PB4 - Verkehrspolitik — Thomas Wüpper @ 15:44

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Treiben Windräder bald die Bahn an? (Bild: dpa)

Der neue Bahnchef Rüdiger Grube sorgt auch im Umweltschutz für frischen Wind. Erstmals können Geschäftskunden emissionsfrei reisen. Gut so – das Ökoticket war längst überfällig und sollte schleunigst ein Angebot für Jedermann werden. Diese Aktion aber kann nur ein Anfang sein, wenn die Bahn nicht ernsthaft in Gefahr geraten will, ihren Vorteil als umweltfreundlichstes Verkehrsmittel zu verspielen.

Abgasfreie Elektroautos, klimaneutral daheim mit Strom vom eigenen Solardach aufgeladen, sind keine bloße Zukunftsvision mehr. In einem Jahrzehnt muss sich die Bahn womöglich schon flächendeckend mit solch neuer Konkurrenz messen. Dagegen sieht der Schienenriese ganz alt aus. Drei Viertel des Bahnstroms stammen aus Kohle- und Atomstrom, der entweder das Klima ruiniert oder strahlende Abfallrisiken unkalkulierbaren Ausmaßes hinterlässt. So ist die Bahn nicht zukunftsfähig, da haben Kritiker wie die Grünen völlig Recht. Konzernchef Grube muss die Energiewende deshalb zur Chefsache machen. (weiterlesen …)

21. September 2009

Instandhaltung

Category: PB401 - Deutsche Bahn kaputt gespart — Thomas Wüpper @ 15:32

Instandhaltung
(Bild: ddp)

Die Wartung von Zügen ist teuer, aber unerlässlich. Wer hier spart oder schludert, riskiert Leben. Nicht erst die Vorgänge bei der Berliner S-Bahn, sondern bereits das ICE-Unglück von Eschede, bei dem wegen eines defekten Radreifens 101 Menschen starben, offenbarte Ende der 90er Jahre grobe Nachlässigkeiten. (weiterlesen …)