13. Januar 2011
Sie sind 40 Jahre alt, heißt es. Das hat Folgen, sicher. Türen gerne mal kaputt. Der Strom an den wenigen Steckdosen fällt dann und wann aus. Und manchmal regnet es sogar rein. Jetzt sollen sie also weg, die schönen, weißen IC-Wagen. Einen Teil davon ersetzt die Bahn Ende des übernächsten Jahres mit neuen Doppelstöckern. Sie ähneln jenen, die wir aus dem Regionalverkehr kennen. Ach, das ist ja fast schon zum Heulen. Selbst wenn die Pannen nerven.

Denn in keinem anderen Zug lässt es sich so bequem reisen wie in den Großraum-Abteilen der Intercity. Die neuen Wagen sollen eine Beinfreiheit wie im ICE bieten – das ist eher Drohung als Versprechen. Meine Beine ausstrecken kann ich jedenfalls nicht im Hightech-Express, der weder Sonne noch Frost verträgt.
Blicken wir dagegen doch mal in einen IC:


So viel zum Thema Beinfreiheit.
Die Doppelstockzüge bestehen nach Angaben der Bahn aus einem Steuerwagen mit 2. Klasse, drei Mittelwagen 2. Klasse und einem Mittelwagen 1. Klasse. Pro Zug sind 469 Sitzplätz vorgesehen, davon 70 in der 1. Klasse. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass ein bestimmter, bisher recht beliebter Wagen fehlt: das Bordbistro – das ja früher mal ein richtiger Speisewagen mit Tischdecken und Lampen war. Die Bahn verschweigt die Abschaffung der Speisewagen nicht, versucht aber auch hier, die schlechte Nachricht als gute zu verkaufen: “Das gastronomische Angebot ist durch ein mobiles Service-Konzept gewährleistet: Die Bedienung der Gäste findet im ganzen Zug direkt am Platz statt – in der 1. wie in der 2. Klasse.”
Langsamer als die alten, weißen Wagen ist das neue Modell übrigens auch noch: Erlaubt sind nur 160 Kilometer pro Stunde statt wie bisher 200. Macht aber nichts, sagt der Schienenkonzern. Der Neue sei wunderbar leicht, beschleunige schnell – und schaffe daher dennoch den Fahrplan. Wir werden sehen.

Die Bahn hat beim Hersteller Bombardier Transportation 135 Doppelstockwagen sowie 27 Lokomotiven der Baureihe 146.2 im Wert von rund 360 Millionen Euro bestellt. Eingesetzt werden sollen sie auf IC-Linien mit schwächerer Nachfrage, sagt das Unternehmen. Der tolle, neue Zug soll dort Reisende zum Umsteigen bewegen – in Richtung Bahn wohlgemerkt.
Bilder: Bayer (3); Bahn
14. Oktober 2010

Ort der Handlung: ICE 10/11 von Frankfurt nach Brüssel
Personen der Handlung:
Erster Reisender: Geschäftsmann, mit einer Gruppe englischsprachiger Kollegen auf dem Weg nach Brüssel
Zweiter Reisender
Zugbegleiterin
Zugchef
Die Temperatur im Abteil ist hochsommerlich.
Erster Reisender: You must know, they had a problem with the air condition. During the heat period the air condition in the ICE didn’t work. Imagine: During the summer, with all these glass windows, and no cooling… Enjoy! (Die Kollegen lachen und nicken) They even had to pay a rebursement to their customers. (Zugbegleiterin C. kommt vorbei.) Könnten Sie bitte mal was an der Klima-Anlage tun? Es ist reichlich warm hier drin.
Zugbegleiterin: Hmm. Ja, das stimmt. Ich weiß nicht. Ich kümmere mich darum. (Dreht am Temperaturregler der Abteilklimatisierung. Wendet sich an dann an den Zugchef, der gerade vorbeigeht) Hier, die Passagiere klagen über die Hitze.
Zugchef: Sie müssen die Tür geschlossen halten, dann funktioniert die Anlage. Außerdem kann man die hier runterregeln. (Auch er dreht am Temperaturregler.)
Zweiter Reisender (ungehalten): Das haben wir auch schon probiert. Was denken Sie denn?
Zugbegleiterin: Und die Abteiltür war die ganze Zeit geschlossen. Das habe ich gesehen.
Zugchef: Das sagst Du jetzt so. Du willst doch nur Deine Getränke verkaufen!
Zweiter Reisender: Das ist jetzt nicht Ihr Ernst?!
Zugchef (verunsichert): Ähm, nein. Ähm, ich schau’ mal, was sich machen lässt.
Zwei Minuten später. Die Temperatur im Abteil sinkt.
Szenenapplaus. Vorhang.
19. April 2010

Volle Bahnsteige. (Bild: dpa)
Kein Flugzeug am Himmel – für den Bahnverkehr ist das die große Chance, sich Vielreisenden zu empfehlen, die sonst gerne in die Luft gehen. Im Fernverkehr zählt die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben bis zu 110.000 zusätzliche Passagiere am Tag, ein stolzes Plus von 30 Prozent. Das Blöde ist natürlich, dass das Reisen wenig bequem ist, wenn wegen der großen Nachfrage die Züge übervoll sind.
Doch danach sieht es nicht aus. Nach dem Wochenende entspannte sich am Montag die Lage etwas. Die Fernzüge seien gut ausgelastet, aber nicht überfüllt, sagte ein Sprecher. Auf den Bahnhöfen gehe es ruhig zu. Offensichtlich seien viele Reisende der Empfehlung gefolgt, nicht gleich am Montagmorgen ihre Fahrt anzutreten. Im grenzüberschreitenden Verkehr seien besonders die Züge nach Skandinavien, in die Niederlande und nach Österreich gefragt.
Mühe gibt man sich offenbar: Nach wie vor sei „alles im Einsatz, was rollt“. Von Hamburg zum Ostsee-Fährhafen Puttgarden würden zusätzlich Busse eingesetzt.
Wie sind Ihre Erfahrungen? Nutzt die Bahn ihre Chance? Oder versinkt sie mit dem Flugverkehr im Choas? Schreiben Sie uns ins Kommentarfeld unten! Herzlichen Dank.
8. April 2010

Auch Schüler pendeln - und helfen, die Statistik zu retten.
Dass das S-Bahn-Chaos in Berlin keine kleine Nummer war, macht jetzt das Statistische Bundesamt quasi amtlich. Das errechnet Jahr für Jahr penibel genau, wie viele Reisende mit Bussen und Bahnen unterwegs sind. Für 2009 ist soviel eindeutig: Die Zahl der Fahrgäste steigt etwas um 115 Millionen auf 10,7 Milliarden (plus 1,1 Prozent). Sie schaffen durchschnittlich 29 Millionen Touren täglich.
Interessant auch: Die meisten Passagiere, nämlich 10,5 Milliarden, zählt der Nahverkehr; die durchschnittliche Strecke ist hier 9,4 Kilometer lang. Die Pendler besorgen den “Öffentlichen” auch den Zuwachs unter dem Strich, denn im Eisenbahnfernverkehr bleibt die Zahl der Reisenden mit 123 Millionen leicht unter dem Vorjahreswert (minus 0,4 Prozent). Die große Reise zieht sich im Schnitt über 285 Kilometer.
Aber zurück zum S-Bahn-Desaster. (weiterlesen …)
9. Februar 2010
Pendler aus Mittelhessen dürften heute morgen vor erheblichen Problem stehen: Die Bahn hatte die Strecke zwischen Lollar und Gießen gesperrt. Als Grund nannte sie einen “Personenschaden”. Inzwischen sind die Gleise wieder frei. (weiterlesen …)
4. Februar 2010

Ort der Handlung: ICE 813 (Dortmund – Frankfurt), ein 1.-Klasse-Abteil
Personen der Handlung:
Herr Schmidt, Zugbegleiter
Erster Reisender: Geschäftsreisender
Zweiter Reisender: Backpacker
Schmidt (zum Ersten Reisenden): Den freien Platz neben Ihnen, den brauche ich mal.
Erster Reisender: Ähm, ja, natürlich. Warten Sie, ich räume mal eben meine Tasche weg.
Schmidt (zum Zweiten Reisenden): So, bitteschön, hier können Sie sich hinsetzen.
Erster Reisender (zum Zweiten Reisenden): Sorry. Hätten Sie doch selbst was gesagt!
Zweiter Reisender: Ne, das ging nicht. Ich hab nur ein 2.-Klasse-Ticket.
Erster Reisender: Ach so. (zu Schmidt) Sagen Sie, entscheiden Sie das, ob Sie die 1. Klasse öffnen?
Schmidt: Also, der Zug ist überfüllt, weil wir nur mit einem Zugteil fahren. Schuld der Bahn, klarer Fall. Da werde ich doch nicht die Leute aus der 2. Klasse stehen lassen, wenn hier noch was frei ist.
Erster Reisender: Gute Sache!
Schmidt: Gute Fahrt!
Vorhang.
19. Januar 2010

Ort der Handlung: zwischen Frankfurt/Hbf und Frankfurt/ Flughafen
Personen:
1. Stimme von oben: Zugchef ICE 10 (Frankfurt-Brüssel)
2. Stimme von oben: Zugchef ICE 514 (München-Frankfurt-Hamburg)
Er: Zugtechniker ICE 1220 (München-Frankfurt-Hannover)
Im ICE 10, Höhe Stadion. Der ICE hat Frankfurt Hbf pünktlich verlassen. Aber schon nach wenigen Kilometern fährt er nur mehr im Schneckentempo.
1. Stimme von oben (kleinlaut): Meine Damen und Herren, aufgrund einer Störung unseres Triebfahrzeugs fährt unser Zug mit verminderter Geschwindigkeit. Er endet heute außerplanmäßig am Frankfurter Flughafen. Bitte steigen Sie alle aus. In Frankfurt/Flughafen nutzen Sie zur Weiterfahrt den ICE 514 nach Hamburg über Köln.
Frankfurt/Flughafen, im (inzwischen selbst verspäteten) ICE 514, wenige Minuten danach
2. Stimme von oben (hektisch): Aufgrund einer Störung verzögert sich unsere Weiterfahrt um unbestimmte Zeit. Wir wissen noch nicht, mit welchem Zug wir heute nach Köln fahren. Verehrte Fahrgäste, bitte beachten Sie: Reisende nach Lüttich und Brüssel – Sie kommen auf jeden Fall an ihr Ziel! In Aachen setzt die Bahn Busse ein, die alle vorgesehenen Haltestellen anfahren.
10 Minuten später
2. Stimme von oben: Meine Damen und Herren, Aufgrund einer Stö… (lautes Knacken und Knistern) unser Zug … aus… Bitte, … Sie alle aus. … Zug endet… Weiterfahrt den …
15 Minuten später. ICE 1220 ist in den Bahnhof eingefahren. An allen Türen bilden sich Trauben aus den Passagieren der beiden liegen gebliebenen Züge. Der Andrang ist so groß, dass selbst Gänge und Einstiege des Zuges völlig überfüllt sind. Schließlich fährt der Zug an.
Er (schiebt sich mühsam durch den verstopften Gang zum Lokführer-Stand): Lassen Sie mich mal durch hier! Sonst ist am nächsten Halt wieder Endstation.
Gequältes Stöhnen der Passagiere.
Vorhang.