Sie sind 40 Jahre alt, heißt es. Das hat Folgen, sicher. Türen gerne mal kaputt. Der Strom an den wenigen Steckdosen fällt dann und wann aus. Und manchmal regnet es sogar rein. Jetzt sollen sie also weg, die schönen, weißen IC-Wagen. Einen Teil davon ersetzt die Bahn Ende des übernächsten Jahres mit neuen Doppelstöckern. Sie ähneln jenen, die wir aus dem Regionalverkehr kennen. Ach, das ist ja fast schon zum Heulen. Selbst wenn die Pannen nerven.

Denn in keinem anderen Zug lässt es sich so bequem reisen wie in den Großraum-Abteilen der Intercity. Die neuen Wagen sollen eine Beinfreiheit wie im ICE bieten – das ist eher Drohung als Versprechen. Meine Beine ausstrecken kann ich jedenfalls nicht im Hightech-Express, der weder Sonne noch Frost verträgt.
Blicken wir dagegen doch mal in einen IC:


So viel zum Thema Beinfreiheit.
Die Doppelstockzüge bestehen nach Angaben der Bahn aus einem Steuerwagen mit 2. Klasse, drei Mittelwagen 2. Klasse und einem Mittelwagen 1. Klasse. Pro Zug sind 469 Sitzplätz vorgesehen, davon 70 in der 1. Klasse. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass ein bestimmter, bisher recht beliebter Wagen fehlt: das Bordbistro – das ja früher mal ein richtiger Speisewagen mit Tischdecken und Lampen war. Die Bahn verschweigt die Abschaffung der Speisewagen nicht, versucht aber auch hier, die schlechte Nachricht als gute zu verkaufen: “Das gastronomische Angebot ist durch ein mobiles Service-Konzept gewährleistet: Die Bedienung der Gäste findet im ganzen Zug direkt am Platz statt – in der 1. wie in der 2. Klasse.”
Langsamer als die alten, weißen Wagen ist das neue Modell übrigens auch noch: Erlaubt sind nur 160 Kilometer pro Stunde statt wie bisher 200. Macht aber nichts, sagt der Schienenkonzern. Der Neue sei wunderbar leicht, beschleunige schnell – und schaffe daher dennoch den Fahrplan. Wir werden sehen.

Die Bahn hat beim Hersteller Bombardier Transportation 135 Doppelstockwagen sowie 27 Lokomotiven der Baureihe 146.2 im Wert von rund 360 Millionen Euro bestellt. Eingesetzt werden sollen sie auf IC-Linien mit schwächerer Nachfrage, sagt das Unternehmen. Der tolle, neue Zug soll dort Reisende zum Umsteigen bewegen – in Richtung Bahn wohlgemerkt.
Bilder: Bayer (3); Bahn


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Nun macht’s mal nicht gleich alles schlecht. Probieren wir die neuen Doppelstock-ICs doch erstmal aus.
Ausserdem, FALSCH RECHERCHIERT – das Eisenbahn-Bundesamt wird sie für mehr als 160 km/h zulassen – im Gespräch sind 185-190.
Schönes Internet- manchmal gehts Du mir *SO* auf den Senkel: Alles immer erst schlecht machen. Aber – in der Anonymität (bzw. Halb-anonym als Blogsite-Inhaber) kommt das Wahre des Menschen wohl raus: Immer feste druff.
Comment by Olaf — 13. Januar 2011 @ 19:56
Wurde auch mal Zeit mit neuen Wagen. Wie oft will die DB sie noch umbauen?
Comment by Sascha — 13. Januar 2011 @ 21:04
@Olaf: Also den Ärger über das Schlecht-Machen kann ich nachvollziehen. Aber das ist ne Redaktion auf die Bahn – die es für meine Begriffe mit dem Gutreden deutlich übertreibt. Anonym sind die Beiträge hier übrigens nicht.
Und der Recherchefehler? Bis auf Weiteres fahren die Wagen nunmal 160 Kilometer in der Stunde, wie die Bahn ja selbst in ihrer Pressemitteilung verkündet. Mehr muss erst mal beantragt werden, was wir übrigens an dieser Stelle auch schreiben. Ich sehe hier keine Recherchefehler.
Comment by Michael Bayer — 13. Januar 2011 @ 22:53
Also ist bin mal gespannt auf die “Dostos”.
Einerseits stehen gerade die Großraum-IC-Wagen auf meiner Hitliste der Bequemlichkeit weit oben,die neuen Dostos im Nahverkehr in Bezug auf Laufruhe uns Klima aber nicht minder. Wenn es gelingt,denen eine ähnliche Bestuhlung wie den guten alten Ic´s zu verpassen,dann kann´s was werden.Wenn nur irgendwo in den Chefetagen endlich mal einer merken würde,dass nicht Enge und hohe Spitzengeschwinigkeiten sondern Bequemlichkeit und zuverlässig hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten die Bahn attraktiv machen,wäre man schon einen Schritt weiter.Wenn von Bahnsteigende Bahnhof A bis Bahnsteiganfang Bahnhof B 160km/h (die LZB/PZB mal aussen vor gelassen) durchgefahren werden könnte,wären wohl ein großer Teil IC/ICE schneller unterwegs als heute.Das Problem Geschwindigkeit ist doch (jetzt und wohl noch auf lange Zeit)viel mehr eines der Strecken als der Fahrzeuge.
Comment by Olaf der 2. — 13. Januar 2011 @ 23:53
Fernzüge noch langsamer – Statt Tempo 200 nur noch 160 km/h
Die alten IC-Wagen sind alle für 200 km/h zugelassen und fahren diese Geschwindigkeiten auch aus, so z.B. zwischen Dortmund und Hamburg. Zahlreiche IC-Wagen wurden ausgemustert und könnten modernisiert wieder eingesetzt werden. Stattdessen erhalten bestellte Wagen für den Regionalverkehr einen an anderen Farbanstrich und werden uns als IC-Züge auf zwei Etagen verkauft. Die Schweizer setzen dagegen seit 1997 für den Fernverkehr konstruierte Wagons mit Tempo 200 km/h ein, bei denen man beim Übergang in einen anderen Wagon keine Treppen steigen muss, selbstverständlich mit Bistro- oder Speisewagen. Die Schweizer SBB hat 59 vier- und achtteilige Triebzüge für den InterCity und InterRegioverkehr bei Bombardier bestellt. Diese verbrauchen auch noch 10% weniger Energie, weil die schwere Lok entfällt. Die Österreichische Westbahn wird ab 2012 sieben 6-teilige Doppelstocktriebzüge auf der Strecke Wien-Salzburg im Stundentakt einsetzen, auch mit Tempo 200 km/h. Doch die Deutsche Bahn entwickelt sich zurück. 160 km/h sollen für den Fernverkehr reichen, der Ausbau bestehender Strecken: Fehlanzeige! Es muss gespart werden damit Stuttgart 21 unter der Erde gebaut wird. Ein klarer Rückschritt ist die Umwidmung der Bestellung der Doppelstockwagen von Regionalverkehrswagen in Fernverkehrswagen, ein veraltertes Konzept mit schweren Loks, Energieverschwendung.
Die DB hat sich wohl verrechnet. Weil Privatunternehmen mit neuen Zügen viele Regional-Strecken übernommen haben benötigt sie weniger Züge im Regionalverkehr. Statt die umgespritzten Silberlinge gegen Doppelstockzüge zu ersetzen, sollen sie nun die anfälligen ICE’s ersetzen, die darauf warten neue Radsätze zu bekommen. Warum werden nicht die neuen Doppelstock-IC-Triebzüge bestellt, die die Schweizer SBB und die Westbahn in Österreich bald einsetzen wird? Zur Überbrückung arbeitet man noch ein paar stillgelegte IC-Wagons auf.
Comment by Umdenker — 14. Januar 2011 @ 19:57
Speisewagen… nice to have, jaaaa…
Aber warum, warum werden die Fahrgäste wieder in den Großraumwagen gezwungen? In jene latent unruhigen, grell erleuchteten Massen-Telefonsäle mit Damenkegelclubs und Schülergruppen? Warum opfert die Eisenbahn dieses nur ihr zueigene Qualitätsmerkmal einer gepflegten, intimen, abends dezent beleuchteten Reiseantmosphäre? Beispielhaft der ICE1, der Interregio oder die kombinierten Abteil-/Großraumwagen im Intercity: für jeden etwas dabei. Und heute? Nur noch Großräume. Laut, hell, ungemütlich. Ich glaube, es sind immer noch zuviele Luftfahrts-Menschen bei der DB beschäftigt: Im Flugzeug gibt es keine Abteile. Schade!
Comment by Mit Tropa — 14. Januar 2011 @ 20:56
160 km/h oder mehr ?
ich habe gerade mal nachgeschaut. Die Loks 146.2 sind auch nur für 160km/h zugelassen. Aber das macht ja nichts. Die Bahn bekommt ja heute für fast alles eine Ausnahmegenehmigung.
Comment by Frank, Polen — 15. Januar 2011 @ 18:24
Ich mag die IC-Wagen auch. Aber wenn die unklimatisierten, engen, alten Interregiowagen ersetzt würden, die uns seit der IR-Einstellung zum Aufpreis teilweise als IC verkauft werden, wäre ich gar nicht so böse.
Außerdem ist es ja angeblich eine Übergangslösung, bis der ICx fertig ist.
Und noch eine nostalgische Kleinigkeit: Das Ende der lokbespannten Züge im Fernverkehr ist damit nochmal vertagt. Irgendwann gibt es dann nur noch surrende Triebwagen, die eigentlich nicht mehr “Zug” heißen dürften, weil nichts mehr zieht. Vielleicht wäre “Fahr” eine Alternative.
Comment by Sebastian — 18. Januar 2011 @ 09:25
@Sebastian: Übergangslösung? Ich habe die Bahn so verstanden, dass sie die Doppelstöcker dort einsetzen will, wo wenig los ist, sich die ICx vielleicht nicht so recht lohnen. Im Regionalverkehr jedenfalls braucht die Deutsche Bahn offenbar weniger Doppelstöcker als bestellt, weil Fahr-Aufträge verloren gingen. Wohin denn dann damit, wenn sie nicht weiter als IC rollen sollen?
Gut denkbar ist übrigens auch, dass der Doppeldecker-Coup ein wenig Druck auf die Hersteller in den Preisverhandlungen aufüben soll. Nach dem Motto: Wir können auch anders.
Zum Aspekt Interregio-Wagen siehe den eigenen Beitrag.
Comment by Michael Bayer — 18. Januar 2011 @ 13:33
Also für mich persönlich geht doch nichts über die richtig alten Halbabteilwagen, die noch nicht modernisiert/ druckertüchtigt wurden.
Große Schiebefenster, bequeme POLSTERsitze (heutzutage ja weithin unbekannt), Abteile auch in der 2. Klasse (4 je Wagen bzw. 2 je Steuerwagen) und noch mehr Platz als in den modernisierten Waggons – für den Fahrgast und sein Gepäck.
In vielen IC laufen sie heute nur noch als Steuerwagen oder Einzelgänger (z.B. Fahrradwagen). Verstärkt vertreten sind sie in Ersatz- oder Verstärkungszügen.
Die Gepäckfrage ist sowieso das, wovor mir bei den neuen Waggons am meisten graut – ist in den ICEs schon kein Platz für große Koffer und Taschen, kann das bei Doppelstockwaggons nur noch viel schlimmer werden!
Comment by BR 41 1144-9 — 15. April 2012 @ 17:42
Zitat Olaf “Ausserdem, FALSCH RECHERCHIERT – das Eisenbahn-Bundesamt wird sie für mehr als 160 km/h zulassen – im Gespräch sind 185-190. ”
Das klingt zwar – wenn es stimmt – sehr vielversprechend, aber an der Tatsache, dass die 146 definitiv nur für 160 zugelassen ist und die 101 in den Expressgüterzugdienst abwandern soll, spricht für die Pläne, den IC nur noch mit 160km/h zu fahren.
Womit dieser nicht schneller ist, als die “neuen IRE” mit BR 146 oder BR 112/114 + Dosto
Comment by BR 41 1144-9 — 15. April 2012 @ 17:57
Super. Die Bahn hat nicht verstanden was technischer Fortschritt bedeutet der dem Kunden auch was bringen soll und auch in fahrzeittechnischer Hinsicht. Wenn bisherige IC mit 200 km/h zugelassen wurden und das dann offenbar auch gefahren wurde, dann ist es ein eindeutiger Rückschritt wenn dann IC-Wagen bestellt werden welche (aufgrund der Doppelstock-Konstruktion und der damit größeren Lichtraumhöhe, höherliegender Schwerpunkt) nur eine Zulassung bis 160 km/h bekommen.
Was soll der Schmarrn den die Bahn da treibt?
Das Konstrukt “DoSto” und Co. ist für Regioverbindungen in mittleren Entfernungen gedacht. Nicht für Fernstrecken, liebe Bahn!
Dann schon lieber in Wagen investieren welche den Komfort eines ICE bieten, aber technisch als Verbundunabhängige Einzelwagen laufen können (vorne eine Lok, hinten ein Steuerwagenkopf).
Mit Doppelstöckern können Kurven nun mal nicht so befahren werden wie mit Einflur-Reisezugwagen.
Ich bin langsam der Meinung: Mehdorn allein war schon die fast grösste Katastrophe (man nannte ihn auch den ‘Mister Verschrottung’) Ergebnis: Chronischer Triebfahrzeugmangel und entsprechende Probleme beim Betrieb. Aber das was jetzt am Hebel sitzt ist unhaltbar und eine Blamage für das gesamte Bahnunternehmen. Wer hat diesen Herren in den Kopf geschi##en ?
Comment by Bernd P — 3. Oktober 2012 @ 19:50
Nachfrage: Sind denn diese neuen “DoSto”-Wagen druckdicht? Das sind die bisherigen der Serie für RE/IRE nämlich nicht. Und nur dann kann ich mit solchen Garnituren auch durch Tunnels der ICE-Schnellstrecken fahren…
Comment by Bernd P — 3. Oktober 2012 @ 19:53