
Schuh auf dem Gleis. (Handybild: Topcu)
Das erste Mal sehe ich ihn am Mittwoch. Morgens kurz vor neun, als ich in Hanau am Gleis 102 stehe und auf den Zug nach Bonn warte. Ganz nebenbei registriere ich ihn, ohne groß darüber nachzudenken. Obwohl er ja ganz alleine da steht.
Erst später, als ich im Abteil sitze, wird mir die Sache richtig bewusst. Denn der schwarze Schuh steht in Hanau nicht irgendwo, sondern im Gleisbett. Und nicht auf dem schmutzigen Schotter, sondern auf einer der Betonschwellen. So, als wäre er absichtlich dort.
Vier Tage sehen wir uns wieder. Inzwischen ist der Schuh weniger ansehnlich wie am Mittwochmorgen, als Sonnenstrahlen ihn glänzen ließen. Die Kälte, der Schnee haben Spuren hinterlassen, vom feschen Aussehen keine Spur mehr.
Es ist ein schwarzer Herrenschuh, ein Lyod-Imitat. Ich schaue mir das Stück genauer an, als ich am Wochenende wieder am Gleis 102 stehe. Größe 43, Marke TCM. Wer bei Tchibo einkauft, kann mit den drei Buchstaben was anfangen.
Der schwarze Schnürschuh – er geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Gehört er einem Anzugträger? Einem Büromenschen, der für sein Business-Outfit nicht so ganz tief in die Tasche greifen konnte? Oder wollte? Was haben die Treter im Gleisbett zu suchen? Wie sind sie dorthin gekommen? Fragen und über Fragen. Wenn Sie jemand ohne Schuh sehen – bitte klären Sie all diese Dinge. Und sagen Sie mir doch Bescheid. Damit ich wieder an was anderes denken kann beim Bahn-Fahren.


RSS Beiträge
Dieser Schuh gehört mir – ich habe ihn bei einem Tennisspiel verloren
Kommentar von Peter Matz — 11. März 2010 @ 19:29
Beweise! Beweise! Bitte den verbliebenen Schuh fotografieren und einsenden!
Kommentar von Michael Bayer — 12. März 2010 @ 13:10
Hm, vielleicht moderne Kunst in der Tradition von Joseph Beuys?
Kommentar von Lukas Ormer — 14. März 2010 @ 13:31