11. März 2010

Der Schuh auf dem Gleis

Kategorie: PB1 - Reiseberichte — Canan Topçu @ 17:27
Schuh auf dem Gleis. (Handybild: Topcu)

Schuh auf dem Gleis. (Handybild: Topcu)

Das erste Mal sehe ich ihn am Mittwoch. Morgens kurz vor neun, als ich in Hanau am Gleis 102 stehe und auf den Zug nach Bonn warte. Ganz nebenbei registriere ich ihn, ohne groß darüber nachzudenken. Obwohl er ja ganz alleine da steht.

Erst später, als ich im Abteil sitze, wird mir die Sache richtig bewusst. Denn der schwarze Schuh steht in Hanau nicht irgendwo, sondern im Gleisbett. Und nicht auf dem schmutzigen Schotter, sondern auf einer der Betonschwellen. So, als wäre er absichtlich dort.

Vier Tage sehen wir uns wieder. Inzwischen ist der Schuh weniger ansehnlich wie am Mittwochmorgen, als Sonnenstrahlen ihn glänzen ließen. Die Kälte, der Schnee haben Spuren hinterlassen, vom feschen Aussehen keine Spur mehr.

Es ist ein schwarzer Herrenschuh, ein Lyod-Imitat. Ich schaue mir das Stück genauer an, als ich am Wochenende wieder am Gleis 102 stehe. Größe 43, Marke TCM. Wer bei Tchibo einkauft, kann mit den drei Buchstaben was anfangen.

Der schwarze Schnürschuh – er geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Gehört er einem Anzugträger? Einem Büromenschen, der für sein Business-Outfit nicht so ganz tief in die Tasche greifen konnte? Oder wollte? Was haben die Treter im Gleisbett zu suchen? Wie sind sie dorthin gekommen? Fragen und über Fragen. Wenn Sie jemand ohne Schuh sehen – bitte klären Sie all diese Dinge. Und sagen Sie mir doch Bescheid. Damit ich wieder an was anderes denken kann beim Bahn-Fahren.

4. März 2010

Schönen Feierabend!

Kategorie: PB1 - Reiseberichte — Thomas Stillbauer @ 15:39
Szenen im VGF-Bus. (Bild: Oeser)

Szenen im VGF-Bus. (Bild: Oeser)

Eigentlich hatte sich der Frankfurter Busfahrer die Sympathie seiner Fahrgäste am Mittwochabend schon fast verscherzt – und erst recht die der Radler: Auf der Alten Brücke hupte er den reiferen Herrn an, der es wagte, mit seinem Zweirad auf der Fahrbahn gen Innenstadt zu zuckeln und nicht auf dem Trottoir hinter der Betonabschirmung.

Aber am Börneplatz beim Fahrerwechsel holte er sich die Zuneigung wieder zurück. Und dabei half ihm die Passagierin auf dem Premium-Platz rechts vorn. Als unser Busfahrer ausstieg und dem Mann von der Spätschicht das Lenkrad überließ, lehnte sie sich extra noch einmal aus dem abfahrbereiten Bus und rief: “Schönen Feierabend!”

Da stutzte der Mann mit der Vespertasche, kam noch einmal herein und antwortete der Frau: “Ja, Ihnen aber auch einen schönen Feierabend.” Stieg strahlend wieder aus. Und stieg strahlend noch einmal ein. Und rief: “Für alle!”

Und strahlend fuhren die Pendler weiter gen Norden, während der Busfahrer sichtbar frohgemut in den Feierabend stapfte.

28. Februar 2010

Wie war Ihr Weg zur Arbeit?

Kategorie: PB2 - Verkehrs- und Nachrichtenlage — Michael Bayer @ 17:11
Einstürzende Fahrbahnen - Szene von der A3.

Einstürzende Fahrbahnen - Szene von der A3.

Nach dem Sturm vom Sonntag fahren viele Züge wieder – dennoch führen für Pendler heute gewohnte Wege oft nicht zum Ziel. Das betrifft Fern- und Nahverkehr gleichermaßen. Im Rhein-Main-Gebiet wenden manche S-Bahnen schon vor der Endstation, fahren also nur auf Teilstrecken.

Im Fernverkehr ist nach Angaben der Deutschen Bahn die Strecke zwischen Kassel und Gießen nur einspurig befahrbar. Am Frankfurter Flughafen kann zwischenzeitlich der Fernbahnhof nicht benutzt werden, weil der Sturm die Glaskuppel beschädigt hat.

Auch auf den Autobahnen rollt am Morgen der Verkehr noch nicht reibungslos. Auf der schon an normalen Tagen für Pendlerstaus bekannten A3 ist zwischen Seligenstadt (55) und Seligenstädter Dreieck (56) die rechte Fahrbahn gesperrt, weil dort umstürzte Bäume liegen. Zwischen Niedernhausen (46) und Wiesbadener Kreuz (47) hat sich auf der rechten Spur die Fahrbahn um zweieinhalb Meter abgesenkt. Das garantiert auch in den kommenden Wochen viele lange Staus, wie diese Bilder verdeutlichen. (weiterlesen…)

25. Februar 2010

Der optimierte Pendler

Kategorie: PB1 - Reiseberichte — Michael Bayer @ 14:36
Optimiert reisen - Probleme in einer Großstadt. (Bild: Boeckheler)

Optimiert reisen - Probleme in einer Großstadt. (Bild: Boeckheler)

Woran erkennen Pendler schon am Bahnsteig Reisende, die nur gelegentlich auf einer Strecke unterwegs sind? Daran, dass sie an der Stelle warten, wo später der Gepäckwagen oder das Erste-Klasse-Abteil hält, habe ich jüngst als Antwort gelesen. Sie muss von einem sehr erfahrenen Pendler stammen, denn Gepäckwagen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Aber im Prinzip stimmt das. Denn wer täglich auf der gleichen Strecke fährt, beginnt ganz automatisch mit größeren und kleineren Optimierungen.

In meinem Fall betrifft das den Weg zwischen dem Frankfurter Hauptbahnhof und dem Südbahnhof. Anfangs steige ich wie selbstverständlich in die S-Bahn – immerhin steht das “S” ja für schnell. Aber bald wird mir klar, dass wenigstens einmal die Woche von einer T-Bahn – Trödel-Bahn – die Rede sein müsste. Auf der Zehn-Minuten-Strecke sammeln sich im Tunnel gerne mal zehn Extra-Minuten an – da ist der Fernzug nach Hause nur noch von hinten zu sehen. Das gleiche Ergebnis bekomme ich mit den Regionalzügen ab Südbahnhof, deren rotes +5 auf der Abfahrtstafel im Internet fast schon im Monitor eingebrannt ist.

Doch dann kommt der Tag, an dem die S-Bahn wegen einer Baustelle blockiert ist. Alles sollte anders werden. (weiterlesen…)

21. Februar 2010

Der Lufthansa-Streik

Kategorie: PB2 - Verkehrs- und Nachrichtenlage — Michael Bayer @ 16:41
Alles klar? (Bild: dpa)

Alles klar? (Bild: dpa)

Die Frankfurter Rundschau informiert Sie online live über den Tarifkonflikt bei der Lufthansa und den Pilotenstreik. Auf unserer Webseite FR-online.de lesen Sie die ausführlichen Nachrichten, hier im Pendlerblog laden wir Sie zum Mitreden ein – und über den Kurznachrichtendienst Twitter können Sie unsere Ticker-Nachrichten verfolgen und uns zugleich Ihre Erfahrungen in Kurzform zukommen lassen (Code: #frpendler).

Hier kommen Sie weiter:

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D(B)rama. Heute: Kollateralschaden

Kategorie: PB3 - D(B)rama: Kurzdialoge aus der Bahn — Joachim Frank @ 16:33

D(B)rama. (Bild: Arnold)

Ort der Handlung: ICE 810 (Frankfurt – Köln – Dortmund), ICE-Bahnhof Montabaur

Personen der Handlung:
Stimme von oben: Zugchef
Erste Reisende: ältere Dame, fein gekleidet
Zweite Reisende: ältere Dame, fein gekleidet

Der ICE steht länger als geplant auf dem Bahnhof Montabaur. Erste und zweite Reisende blättern im Katalog der Frankfurter Botticelli-Ausstellung

Stimme von oben: Meine Damen und Herren, unsere Abfahrt verzögert sich noch um einige Minuten. Im Bereich des Bahnhofs Bonn/Siegburg befinden sich Personen in den Gleisen.
Erste Reisende: (klappt den Botticelli-Katalog zu): Personen in den Gleisen? Ist ja unglaublich!
Zweite Reisende: Jawohl, unglaublich. Also, darauf würde ich keine Rücksicht nehmen. Einfach drüber – und fertig!
Erste und Zweite Reisende: Jawohl! (schlagen den Botticelli-Katalog auf)

Vorhang.

20. Februar 2010

Der Lufthansa-Streik – reden Sie mit

Kategorie: PB2 - Verkehrs- und Nachrichtenlage — Michael Bayer @ 22:14

Die ersten Informationen, die über den Kurznachrichtendienst Twitter öffentlich werden, machen wenig Mut. Die Lufthansa scheint – zurückhaltend formuliert – mit dem bevorstehenden Streik alle Hände voll zu tun haben. “Wäre ja mal schön, wenn LHs Leitungen funktionieren würden”, schreibt etwa Torsten Oppermann.

Und Anja aus Berlin liefert ein kleines Live-Protokoll ihrer Verzweiflung, nachdem ihr Flug gestrichen, sie aber nicht benachrichtigt worden sei: “Über 5h in der #Lufthansa #Warteschlange gehangen… wie schafft man es da rein zu kommen?”, fragt sie erst. Sie berichtet, wie sie das dritte Mal an ein Callcenter durchgestellt wird, ihr Reiseveranstalter sie zur Lufthansa schickt und umgekehrt – und es ihr am Ende nach stolzen 24 Stunden tatsächlich noch gelingt, auf die Passagierliste einer alternativer Maschine zu kommen.

Während diese Zeilen entstehen, läuft im Hintergrund als Dauerbeschallung die Hotline der Lufthansa. Die stellt gleich am Anfang klar, es gebe wegen eines “aktuell hohen Anrufaufkommens längere Wartezeiten”. Die fröhliche Frauenstimme versucht, die Anrufer auf automatische Ansagen umzuleiten oder – damit es schneller gehe – für eine englischsprachige Beratung zu gewinnen. Wer das nicht will und keine Ziffer am Telefon drückt, endet in einer Dauerwerbeschleife – mit Wortfolgen wie “bequem, bequemer, am bequemsten” und der Aufforderung: “Lassen sie sich inspirieren.” Wir schalten nach 20 Minuten ohne jegliches Ergebnis ab. (weiterlesen…)